Zur Altersvorsorge will der Kunde überzeugt und nicht genötigt werden

Donnerstag, 26. Januar 2012 von Wolff von Rechenberg

Es steht schlecht um die private Altersvorsorge: Zur Altersvorsorge fühlen sich die Deutschen eher verurteilt als motiviert. Dabei will der Bürger einfach nur sicher sein, dass sein Geld in Riester-Rente & Co. gut angelegt ist. An Ideen für besseren Verbraucherschutz bei der Altersvorsorge fehlt es nicht. Allein die Umsetzung dauert. Dabei ist einerseits die Gelegenheit günstig für neue Wege im Interesse der Verbraucher, und andererseits drängt die Zeit .

Eine aktuelle Allensbach-Umfrage ergab, dass die Altersvorsorge in der Einkaufsliste der Deutschen auf Platz Zehn liegt.  Und nur einer von sechs Bundesbürgern will in diesem Jahr mehr Geld fürs Alter zurücklegen. Wen wundert es? Wer weiß denn schon genau, wieviel Zusatzrente er am Ende eines Arbeitslebens erhält? Wer weiß schon, was die Versicherung an Gebühren einstreicht und was von der staatlichen Förderung übrigbleibt? Die Altersvorsorge ist eine Art Black Box. Ein schwarzer Kasten, in den man Geld hineinsteckt und nicht weiß, was man herausbekommt, ein teilweise sogar staatlich verordnetes Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Altersvorsorge ist wie Masern oder Mumps

Wen wunderte es, wenn die Altersvorsorge in der Beliebtheit sogar noch hinter Masern und Mumps rangieren würde? Die Situationsbeschreibung ist so alt wie die Riester-Rente und all die Horrorgeschichten über Altersarmut, mit denen man uns Arbeitnehmer in die private Vorsorge treiben will. Genau das wollen die Verbraucher nicht: getrieben werden. Sie wollen überzeugt werden. Sie wollen als mündige Kunden behandelt werden. Der mündige Verbraucher hat keine Angst, Produkte zu vergleichen und eine Finanzentscheidung zu treffen. Er will nur verstehen, was er da vergleicht. Und wenn der einmal eingeschlagene Weg nicht mehr passt, will er wechseln können.

Jahrelang hat die Branche gut an Provisionen und Gebühren verdient

In der Altersvorsorge fühlt sich der Kunde jedoch zu Entscheidungen genötigt, die Auswirkungen bis zum Ende seiner Tage haben, und das auf der Basis von verklausulierten Verträgen, versteckten Gebühren und unklaren Bedingungen. Wenn jetzt sogar aus den Reihen der Versicherungsbranche der Ruf nach mehr Transparenz erklingt, dann muss in der Altersvorsorge Feuer unterm Dach sein. Dann muss die Unlust zum Vorsorgen sich direkt in Euro und Cent berechnen lassen. Denn jahrelang hat die Branche recht gut an Provisionen und Gebühren für Riester-Verträge, Lebensversicherungen und Privatrenten verdient.

Stell die vor es gibt Altersvorsorge, und keiner geht hin

Altersvorsorge ist ein Milliardengeschäft. Eine Altersvorsorge schließt der Kunde einmal ab. Er hofft, dass er keinen allzu großen Fehler gemacht hat, zahlt brav seine Beiträge und will danach nicht mehr mit dem Thema behelligt werden. Wenn die Deutschen aber einfach keine Lust mehr haben vorzusorgen, dann bröckeln die Milliarden weg. Das fürchten die Versicherer. Aus dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kommt nun die Idee für ein Produktübergreifendes Informationsangebot im Internet. Darin soll der Kunde per Mausklick den Stand seiner Altersvorsorge checken können. Fantastisch!

Zeit drängt, denn der Frust wächst jeden Tag

Bewegung kommt auch in das Thema Beipackzettel. Hoffentlich. Seit Jahren fordern Verbraucherschützer, dass Altersvorsorgeprodukten ein leicht verständliches, einheitliches Informationsblatt beiliegen muss. Dieser sogenannte Beipackzettel informiert über Chancen und Risiken eines Vertrages. Der Verbraucher soll diese Angaben direkt vergleichen können. Dem Bundesjustizministerium liegt ein solcher Beipackzettel jetzt im Entwurf vor. Das Ministerium will ihn jetzt prüfen. Dazu bleibt den Politikern wenig Zeit, denn der Frust über die Altersvorsorge wächst jeden Tag. Zufriedenheit wächst aber nur aus dem Gefühl, eine richtige Entscheidung getroffen zu haben.

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