CFD: Roulette mit russischem Beigeschmack

Freitag, 14. Oktober 2011 von Wolff von Rechenberg

Rien ne va plus! Nichts geht mehr! Wenn die Kugel rollt, dann ist alles zu spät. Wer auf das richtige Feld, die richtige Farbe gesetzt hat, macht Gewinn. Wer falsch gewettet hat, verliert seinen Einsatz. So läuft das beim Roulette. Die Finanzwelt erhöht jetzt das Risiko. Das Spiel heißt CFD.

Stellen Sie sich vor, Sie haben viel Geld gesetzt. Sagen wir, auf die 25. Rot. Ungerade. Die Kugel rollt, und ….  Sie bleibt hängen bei der 6. Schwarz. Gerade. Pech gehabt. Sie werfen noch einen traurigen Blick auf das Rouletterad. Sie beschließen, dass es reicht. Gerade wollen Sie das abgeschmolzene Häuflein Ihrer Jetons zur Kasse tragen, da hält Sie der Croupier auf. Nein, Sie könnten jetzt nicht gehen, erklärt er. Sie müssten zunächst Ihre Schulden beim Casino begleichen. Mit Ihrem Spiel auf eine Zahl hätten Sie für Ihren Einsatz das 35-fache als Gewinn absahnen können. Nun, da Sie verloren haben, sollen Sie auch das 35-fache Ihres Einsatzes ans Casino zahlen.

Der Gewinn wird mit einem Hebel multipliziert – der Verlust auch

Schweißgebadet wachen Sie auf und wissen, dass alles nur ein böser Traum war. Zumindest solange wie Sie Ihr Erspartes nicht in CFD investieren. Bei diesen “Contracts for Difference” kann genau das passieren:  Sie können wesentlich mehr verlieren als Sie eingesetzt haben, mehr als Sie je einsetzen wollten. Dabei wettet der Anleger auf Kursentwicklungen beispielsweise von Aktien, von Rohstoffen oder Indices.

Wie hoch das Risiko eines solchen Investments liegt, bestimmt der Käufer selbst. Der Kursgewinn wird mit einem sogenannten Hebel multipliziert. Der Verlust allerdings auch. Wer das Risiko gering halten will, muss im Grunde dauernd vor dem Bildschirm hocken und beim geringsten Anzeichen von Verlust den CFD schließen. Seriöse Anbieter sehen wenigstens eine automatische Schließung vor, wenn das Kapital auf dem Depotkonto zur Neige geht.

Bei Verlust hilft kein Eimer kalten Wassers

Vergisst der Anleger jedoch, die Positionen auf seinem CFD-Konto zu schließen, bevor abends der Börsenhandel schließt, und treten dann über Nacht Verluste ein, dann tut die Bank genau das, was wir in unserem eingangs geschilderten Albtraum durchlebt haben. Dann bekommt unser CFD-Anleger die Rechnung – multipliziert mit dem Hebel. Dann hilft kein Kneifen und kein Eimer kalten Wassers. Von einem solchen Traum gibt es kein Erwachen. Wer beim Jonglieren mit CFD nicht höllisch aufpasst, für den bekommt dies Roulette einen russischen Beigeschmack.

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2 Antworten auf “CFD: Roulette mit russischem Beigeschmack”

  1. Es kommt nur auf den Broker an, ob es eine Nachschusspflicht gibt. Nicht bei allen Brokern werden die Positionen über Nacht zwangsläufig gehalten – bei einigen Anbietern gibt es einen Margin Call und gut is.

  2. Wolff von Rechenberg sagt:

    Einen Margin Call bietet beispielsweise die comdirect bank an. Das schützt den Anleger aber nicht, wenn er seine Positionen nicht schließt. Aussage der comdirect. Allerdings bietet die comdirect eine sogenannte Risikobegrenzung. Diese soll tatsächlich eine Nachschusspflicht ausschließen, begrenzt den Hebel aber auch auf 5. Nach eigenen Angaben ist die comdirect die einzige Bank, die eine solche Risikobegrenzung anbietet.

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