Die Riester-Rente ist zehn Jahre alt und steht unter Beschuss: Zu undurchsichtig und beim Volk so beliebt wie ein Anstieg der Spritpreise. Verbraucherschützer drängen zu Reformen, aber noch verweigert sich die Bundesregierung dieser Einsicht.
Die Riester-Rente ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man kriegt
Forrest Gump hätte gesagt: “Die Riester-Rente ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man kriegt.” Und so sehen wohl auch die meisten Deutschen die Riester-Rente – auch wenn sie dabei nicht die Gelassenheit des berühmten Film-Simpels an den Tag legen. Zum zehnten Geburtstag klingen die Lobeshymnen der Politik auf die Förderrente immer noch wie Beschwörungsformeln. Denn allen Beteiligten ist klar: Im Volk ist die Riester-Rente nie angekommen. Heute wie vor zehn Jahren lautet auch das Urteil der Verbraucherschützer: Die Riester-Rente ist kein Erfolgsmodell.
Mit steigender Lebenserwartung immer weniger Rente fürs Ersparte
Im Gegenteil: Das ZDF-Magazin “Frontal 21″ berichtet, dass sich die Bedingungen für die Versicherten über die Jahre verschlechtert haben. Kein Wunder übrigens. Schließlich steigt die Lebenserwartung und damit verlängert sich die Auszahlungsphase von Altersvorsorgeverträgen. Kapitaldeckung bedeutet, dass eine alternde Gesellschaft für immer mehr Kapital immer kleinere Zusatzrenten bekommt. Die große Wundertüte öffnet sich jedoch, wenn es um die Gebühren der Anbieter geht.
Drei Viertel der staatlichen Förderung landen in den Taschen der Anbieter
Wenn ein Kunde eine Riester-Rente abschließt, kann er unmöglich einschätzen, welcher Betrag auf seinem Vorsorgekonto eingeht und wieviel Geld das Anbieter für Gebühren einbehält. Der Staat leugnet an dieser Stelle Handlungsbedarf. Auf eine Anfrage der Linkspartei im Bundestag hatte das Bundesfinanzministerium vorgerechnet, dass insgesamt rund 37 Milliarden Euro in Riester-Renten eingezahlt worden sind. Davon wanderten nur knapp 6 Milliarden Euro in die Taschen der Anbieter. Rund 84 Prozent kommen also den Riester-Sparern zugute.
Die Rechnung hat jedoch einen Pferdefuß. In den 37 Milliarden Euro sind mehr als 8 Milliarden an staatlicher Förderung enthalten. Betrachtet man nur diese Förderbeträge, so könnte man sagen: Die Anbieter haben rund drei Viertel der staatlichen Förderung in die eigenen Taschen umgelenkt. Für den Sparer bedeutet dies, dass er mit einer nicht geförderten Altersvorsorge genauso viel angespart hätte. Die Riester-Rente setzt sich dem Verdacht aus, mehr eine staatliche Zuwendung an die Finanzwirtschaft zu sein als eine verbraucherfreundliche Altersvorsorge.
Drei Reformansätze für die Riester-Rente
Gerade jetzt, zum zehnten Geburtstag der Riester-Rente, zerren Medien und Verbraucherschützer alle Nachteile der Riester-Rente wieder ans Licht der Öffentlichkeit. Die Riester-Rente braucht eine Reform. Eine solche Reform könnte drei Maßnahmen ergreifen:
- Nur noch bestimmte Produkte können geriestert werden. Der Banksparplan beispielsweise ist eine vergleichsweise einfache Geldanlage und kostet kaum Gebühren. Die Politik könnte relativ schnell nur noch Banksparpläne für förderungsfähig erklären. Die Nachteile wären die Nachteile des Banksparplans an sich: Er bringt kaum Rendite. Aber wenigstens weiß man, was am Ende herauskommt.
- Diesem Vorschlag sehr ähnlich ist die Forderung vieler Verbraucherschützer nach einheitlichen Riester-Produkten. Der Gesetzgeber müsste feste Regeln für diese Produkte aufstellen und die Gebühren begrenzen. Er müsste auf leicht verständlichen Informationen bestehen. Entstehen würde eine Klasse der leicht verständlichen Altersvorsorgeprodukte.
- Ein staatlich verwaltetes Vorsorgekonto, auf das die Bürger ihre Riester-Beiträge einzahlen und der Staat die Riesterförderung überweist. Wie “Frontal 21″ berichtet handelt es sich dabei um einen Vorschlag aus Baden-Württemberg. Es stellt sich allerdings die Frage, warum man ein solches Vorsorgekonto braucht. Wenn der Staat die Riester-Groschen verwaltet, kann er sie auch gleich als Steuer einkassieren und als Rente auszahlen. Wir könnten also auch gleich auf eine steuerfinanzierte Zusatzrente umschwenken.
15 Millionen Deutsche besparen nach offiziellen Angaben derzeit eine Riester-Rente. 15 Millonen von über 40 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland, von denen die meisten eine Riester-Rente abschließen könnten. Wenn die Riester-Rente ohne Veränderungen 15 Jahre alt geworden sein wird, werden wir keinen Grund zum Feiern haben.
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Schlagworte: Altersvorsorge, Riester-Rente